Menschen fragen mich manchmal, warum ich keine Ölfarben benutze. Öl klingt edler, klassischer, nach alten Meistern und langen Trocknungszeiten, in denen das Bild atmen darf. Ich verstehe die Faszination. Aber Acryl ist meine Sprache — und ich wüsste nicht, wie ich mich anders ausdrücken sollte.
Acrylfarbe ist schnell. Sie trocknet in Minuten, manchmal Sekunden. Für viele Künstlerinnen ist das ein Nachteil — zu wenig Zeit zum Korrigieren, zum Nachdenken, zum Bereuen. Für mich ist es ein Geschenk. Denn ich male nicht mit dem Kopf. Ich male mit dem Bauch.
Das Tempo des Augenblicks
Wenn Farbe schnell trocknet, muss man schnell entscheiden. Es gibt kein langes Zögern, kein Hin-und-Her-Überlegen. Der Pinsel muss sich bewegen, bevor der Verstand eingreift. Genau in diesem Spalt — zwischen Impuls und Kontrolle — entsteht für mich das Eigentliche. Das, was kein Plan hätte ergeben können.
„Acryl lässt mich nicht lügen. Es zeigt genau, was ich in dem Moment war."
Schichten als Gedächtnis
Was viele nicht sehen: Unter jedem fertigen Bild liegen viele andere. Farben, die ich übermalt habe. Formen, die ich verworfen habe. Stimmungen, die kurz da waren und dann verschwanden. Acryl erlaubt mir, dieses Gedächtnis zu bewahren — weil jede neue Schicht die alte nicht auslöscht, sondern verändert. Ein leuchtendes Gelb darunter lässt das Dunkelblau darüber anders wirken. Das Bild trägt seine eigene Geschichte in sich.
Farbe als Emotion
Ich wähle Farben nicht nach Farbenlehre. Ich wähle sie nach Gefühl. Ein bestimmtes Rot kann Wärme bedeuten oder Schmerz — je nachdem, wie ich es setze, neben was ich es stelle, wie dick ich es auftrage. Farbe ist für mich keine Dekoration. Sie ist Aussage.
Manchmal frage ich mich, ob jemand, der meine Bilder betrachtet, dasselbe fühlt, was ich beim Malen gefühlt habe. Wahrscheinlich nicht — und das ist gut so. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Das Bild gehört in dem Moment, in dem es den Menschen berührt, nicht mehr mir.