München ist keine laute Stadt. Sie hat eine eigene Zurückhaltung, eine Würde, die sich in der Art zeigt, wie das Licht hier fällt — weicher als in Berlin, wärmer als in Hamburg, manchmal fast golden am frühen Abend, wenn die Sonne hinter den Türmen der Frauenkirche versinkt.
Ich male keine Stadtansichten. Ich male keine Isarbrücken und keine Bergpanoramen. Aber München ist trotzdem in jedem Bild. Es versteckt sich in der Farbpalette, in der Stimmung, in dem, was ich mitbringe, wenn ich ins Atelier gehe.
Das Licht der Stadt
Was München von vielen anderen Städten unterscheidet, ist das Licht im Winter. An klaren Tagen, wenn Föhn aufzieht und die Alpen plötzlich zum Greifen nah erscheinen, hat die Stadt eine fast unwirkliche Schärfe. Die Farben wirken gesättigter. Der Himmel ist ein Blau, das ich so nirgendwo sonst gesehen habe. Dieses Blau taucht in meinen Bildern auf — nicht als Abbild, sondern als Erinnerung.
„Ich male nicht München. Ich male das Gefühl, das München in mir auslöst."
Die Isar
Wenn ich nicht male, gehe ich an der Isar spazieren. Das Wasser ist immer anders — mal grünlich und ruhig, mal nach Regen aufgewühlt und trüb, mal im Sommer so türkisblau, dass es fast kitschig wirkt. Ich fotografiere nie. Ich schaue einfach. Und irgendwo landet das Gesehene Tage später auf der Leinwand — nicht als Landschaft, sondern als Energie.
Der Rhythmus der Jahreszeiten
München hat ausgeprägte Jahreszeiten, und mein Atelier folgt ihnen. Im Winter male ich dunkler — mehr Tiefe, mehr Schichten, mehr Zurückgezogenheit. Im Sommer öffnen sich die Bilder, werden heller, manchmal fast fröhlich. Das ist keine bewusste Entscheidung. Es passiert einfach.
Diese Stadt hat mich gelehrt, dass Inspiration keine große Geste braucht. Sie steckt im Morgennebel über der Isar, im Geruch von nassem Asphalt nach dem ersten Herbstregen, in der Stille eines Sonntagmorgens im Englischen Garten. Man muss nur offen genug sein, um sie einzulassen.